Antwort auf: ja, die SPIEGEL-App ist Datenbank-getrieben und vom Layout her ganz furchtbar, weil es eben ein automatischer Umbruch ist.
Ehrlich gesagt, habe ich über das Betrachten von Inhalten in Browsern inzwischen gelernt, Abstriche bei den ästhetischen Ansprüchen hinsichtlich der Darstellung (wie sie am Printmedium noch kleben) hinzunehmen.
Wenn bei der Darstellung einer HTML-Seite nicht alles auf den Bildschirm passt, so dass man scrollen muss, um weiterzukommen, juckt es mich nicht, wenn am unteren Rand gerade mal eine einzelne Zeile eines Absatzes erscheint, die – von der aktuellen Betrachtung her – wie ein Schusterjunge wirkt, aber keiner ist, weil durch ein wenig Scrollen die zweite Zeile sogleich folgt. Schusterjungen und Hurenkinder sind für mich keine Begriffe geschweige denn stur einzuhaltende Regeln im Zusammenhang mit der Bildschirmdarstellung von Inhalten. Dem Browser ist verziehen, was das Papier halten muss. Dank CSS sollten sich zumindest im Ausdruck von HTML-Daten
widows verhindern lassen.
Gegen die Schwindsucht an Silbentrennungen könnte man sich vorläufig durch Einarbeitung vieler
s behelfen. Da könnten die Lieferanten von Silbentrennmodulen noch Ihren Beitrag leisten. ;-)
Aber das, was ich an anspruchsloser Darstellung im HTML- oder epub-Format konsumiere, ist mir wesentlich angenehmer und bedienungsfreundlicher, als diese ersten Produkte aus InDesign-Daten, in denen man Bildchen starr im Kreuzgang hin und her verschiebt.
Beim Lesen dieser Ganzseitenbild-Magazine mit der Kreuzgangnavigation kommt es mir immer wieder vor, als würde ich blind mit der Nase auf eine Mauer drauflaufen, wenn es mit dem Runterscrollen oder Rechtsscrollen plötzlich nicht mehr weitergeht. Ein bißchen geht es ja immer weiter. Aber dann schnappt das Bild wieder zurück, wenn kein weiteres folgt. Und dann prüft man nochmal – hat man das Bild vielleicht nicht weit genug verschoben, damit es rumschwappt. Autsch, nein, da kommt tatsächlich nichts mehr, also blind nach oben und dann nach rechts durchs Labyrinth.
Ein Bild ist ein Bild und Text ist Text.
Die Darstellung und das Navigieren durch Text erfolgt nach anderen Regeln der Wahrnehmung als das Betrachten eines Bildes.
Warum nur verfolgen Adobe und andere Weiterverarbeiter von Adobe-Produkten im Moment mit ungeheurem Aufwand das Ziel, Text in Bilder (oder Flash?) einzufrieren und die Flexibilität für den Konsumenten, die frühere Formate (HTML, epub, PDF) bieten, zu Lasten einer solchen Starrheit, die dem Medium widerspricht, aufzugeben?
Es kommt einem vor, als erfolgte die seitenweise Auflösung eines gebundenen Buchs, damit man es Seite für Seite lose in einen zweidimensionalen Karteikasten (links-rechts, hoch-runter) stecken kann. Wo's doch gebunden so schön in der Hand gelegen hatte ...
An der alleinigen Verhinderung des unbefugten Kopierens und der unbefugten Weitergabe von Inhalten wird's wohl kaum liegen ...
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edit: Soeben sehe ich, dass sich ein paar andere Beiträge dazwischen geschoben haben, während ich an diesem Text noch zwischen Telefonaten feilte. Uwe, Du hast das Lizenzproblem der Schriften für das Einfrieren der Texte in Bilder angeführt. Aber da geht es mir wie Oliver: Es kommt m.E. bei der Schriftlizenz nicht auf das Anzeigen an, sondern darauf, dass niemand die Schrift extrahieren und selbst verwenden kann; und das sollte doch gewährleistet sein.
Die Verbilderung von Text – sogar ohne die Möglichkeit der Vergrößerung – wird dem Medium und seinen Möglichkeiten nicht gerecht.