Hallo Urs,
> In der Regel scheren sich Siebdrucker, Folienschneider,
> Schriftenmaler einen Dreck darum, wenn ich ihnen einen
> Farbwert in Pantone, CMYK/isocoated oder gar in LAB angebe.
So, dann haben die aber noch keine Erfahrungen mit Ladenbauern, Architekten oder anspruchsvollen Messebauern gesammelt. Gerade erstere wissen inzwischen sehr gut das Potential zu nutzen, das CMS ermöglicht. Bis vor ein paar Jahren war es fast unmöglich ein Leder, ein PVC und einen Lack von unterschiedlichen Herstellern zu beziehen, ohne dass das dann heftigst abwich.
Die einzige Möglichkeit war dann, Farmuster durch die Gegend zu schicken und sich dann auch Farbmuster vom Lieferanten geben zu lassen um sie freizugeben.
Das geht heute eben einfacher auf CMS Basis, aber auch nur wenn man nicht irgendwas als Referenz durch die Gegend schickt.
> Ich finde es äusserst riskant, Druckvorstufen-cms in diese
> Bereiche auszudehnen, wo doch nicht mal in der Branche
> genügend Verständnis vorhanden ist.
Das sehe ich anders. Denn in dem Fall geht es um einen LAb Wert oder unter ungünstigen Umständen um eine spektrale Remissionkurve.
Wenn man eh vorhat sich seinen Folienschneide-Liferanten auch weiterhin auf seinen 15 std. Rollen ausruhen zu lassen, brauch man auch erst gar nicht mit Colormamangement anfangen, muss aber seinem Kunden gegenüber im Vorhinein eingestehen, das die Ergebnisse absolut unvorhersehbar sind.
In einem Kooperativen Umfeld, sollte sich jeder Zulieferant über eine Lab Definition freuen, denn sie stellt letztlich die Mitte dar, wo sich später mal alle treffen sollen. Was passiert sonst?
CMYK ist vorgegeben, passendes HKS wird anhand von Fächer und Proof oder an/Fortdruck abgemustert, ist aber etwas zu kalt, aber immer noch am nächsten dran.
Jetzt geht das mit der Vorgabe, HKS 64K zum Folienschneiden. Der kann mit HKS nichts Anfangen, nennt ein paar Folienlieferanten und man einigt sich schliesslich auf Pantone als Austauschfarbraum, weil er davon zu mindestens einen Fächer besitzt und anhand dessen abmustern kann. Am Lager oder in seinen Farbfächern seiner Folienlieferanten findet er mit einer RAL 3017 den besten Treffer.
Gehen wir jetzt mal davon aus, das jeder nach bestem Wissen und gewissen gearbeitet, hat, dann sind wir also jetzt bei einer Folie in Maigrün gelandet mit einem Lab Sollwert von 50-32 30
Hier die komplette Reihe:
Lab 56 -52 41 <- ISOcoated 80C100Y abs. farbmetrischer RI
Lab 51 -47 45 <- HKS 64K
Lab 50 -42 42 <- Pantone 363C (ok, hier hab ich die 2. beste Wahl genommen (Schwerpunkt Helligkeit
Lab 50 -32 30 <- RAL Classic 6017
So nun sind wir von einer Ausgangsdefinition von 56 -52 41 bei einem Material mit 50 -32 30 und somit einem DeltaE von über 23 gelandet. Oder anders ausgedrückt, die Folie entspräche genau dem CMYK Druck nach ISOcoated wenn dort 76/31/93/6 gedruckt worden wäre.
Per direkter Lab Kommunikation mit den entsprechenden Tools wäre man mehr oder weniger automatisch auf RAL 6018 Gelbgrün gelandet, das mit Lab 60 -44 43 nur bei einem DeltaE von 9 liegt.
Und das alles nur weil man stille Post spielt statt direkt per Lab zu kommunizieren.